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Konzert- und Akkordzither Eine stattliche Anzahl verschiedener Typen aus der Familie der griffbrettlosen Zithern im Instrumentendepot des ZAV belegt, dass im Appenzellerland die Akkordzither einst stark verbreitet gewesen sein muss. Es wurden Kurse durchgeführt und ein reger Handel betrieben was Instrumente, Saiten, Ersatzteile und Noten anbelangt. Und weil für Volksmusik aus dem Appenzellerland kein Notenmaterial gedruckt vorlag, hat sich Josef Peterer, Gehrseff (1872–1945), der Notlage angenommen und ein kleines, wohl unrentables Geschäft damit aufgebaut: weit über 100 verschiedene Stücke (Tänze, Lieder, Rugguuseli/ÂJodler) hat er musizierfreudigen Personen angeboten. Und das waren in erster Linie Frauen und Mädchen, die sich in dieser Kunst betätigten. Welch schöne Freizeitbetätigung in einer Zeit, als noch kein Radio und Fernsehen zu passivem Musikgenuss verleitete! Da es damals noch keine Stimmgeräte gab, war auch das Stimmen der Zithern ein Angebot Peterers. Mit dem Aufkommen der Radiowelt wurden dann die Akkordzithern im Schloff versorgt, einige leider auch entsorgt.
Dank der Initiative von Erika Koller und Gertrud Marcolin, Appenzell, erfahren bei uns die Akkordzithern heute eine Wiederbelebung. Die beiden Musikantinnen haben die Instrumente wieder hervorgeholt und spielen da und dort zur Freude eines staunenden Publikums. Sie bieten auch entsprechende Kurse an. Die Konzertzither wurde im Appenzellerland nur vereinzelt gespielt. Wie Fotos belegen hat man sie nur ganz selten in die Volksmusikszene integriert. Das Zitherspiel wieder beleben Beinahe ist sie in Vergessenheit geraten, die Zither. Das einst so beliebte Instrument für Hausmusik, Konzerte und Liedbegleitung war im Alpenraum und in Bürgerstuben vor hundert Jahren weit verbreitet. Im Roothuus Gonten ist im September eine kleine Ausstellung darüber zu sehen. In Schnupperkursen lässt sich das Musizieren mit der Akkordzither ausprobieren. Zithern in Innerrhoden Auch im Appenzellerland war das Instrument vor allem ab 1900 bis nach dem ersten Weltkrieg weit verbreitet. Vereinzelt wurde die Konzertzither eingesetzt, beliebt war vor allem die griffbrettlose Akkordzither, ein Begleitinstrument, das einfach zu erlernen war. Vergilbte Fotografien erzählen vom Orchester Alpenrösli aus Appenzell; Robert Fässler, «Züghererobet», spielte in der Grossformation um 1907 die Zither. In der Familienmusik Klarer begleitete die Mutter um 1920 sechs Familienmitglieder mit der Akkordzither auf dem Schoss. 1938 liessen sich die Schwestern Kegel in der Sonntagstracht fotografieren. Sie spielten Konzertzithern begleitet von einer Gitarristin und einem Geiger, dem Kegels Hans.Nach den Kriegsjahren bis in die Siebzigerjahre wurde noch hie da Zither gespielt; ein Ohrwurm war die Titelmelodie des Films «Der dritte Mann». Danach geriet das Instrument hierzulande fast in Vergessenheit. «Mällis Mattelee», Magdalena Manser (*1900), die bei der Lehnkapelle wohnte, spielte noch bis in hohe Alter auf der Zither Begleitakkorde zu ihren Rugguuseli und Liedern. Kuriose Varianten Schon seit Jahrhunderten war das einfache «Häxeschit» bekannt, ein mit Saiten bespanntes Holzbrett. Mit grösseren Klangkörpern und mehr Saiten bespannt entstanden formschöne Zithern, im Glarnerland und der Innerschweiz. vor allem in Deutschland hatte die Zither grossen Erfolg und wurde stetig weiterentwickelt. Ausgereift und professionell hergestellt wurde die Konzertzither, die Mitte des 19. Jahrhunderts in der Kunstmusik eingesetzt wurde. Sie wurde zum Modeinstrument der gehobenen Kreise. In den Städten wurden um die Jahrhundertwende Zithervereine gegründet. Streichzithern und Violinzithern wurden mit dem Geigenbogen gestrichen. Es wurden Mandolinettezither, Triolazither, Pianochordiazither und andere Varianten mehr erfunden. Ausstellung im Roothuus Dem Zentrum für Appenzellische Volksmusik (ZAV) im Roothuus in Gonten wurden in den letzten Jahren verschiedene Typen aus dieser Instrumentenfamilie vermacht. Nicht nur die gewöhnliche Akkordzither, bei der die Notenblätter unterlegt werden, sondern auch Spezielles wie die Autoharp mit sechs Manualen und einem Griffsteg unter der G-Saite oder die klavierähnliche Pianochordiazither. Vom 10. bis 26. September sind besonders schöne Exemplare, Noten und Bilddokumente im Roothuus ausgestellt.
Auch viel Notenmaterial ist dem ZAV zugekommen. Josef Peterer, «Gehrseff» (1872-1945), hat die Zitherspieler und -spielerinnen mit entsprechender Literatur versorgt. Zwischen 1912 und 1935 hat der Musiker vom Unterrain Walzer, Mazurkas, Polkas Schottische und Märsche sowie Lieder aller Art arrangiert und notiert. Auch für Reparaturen und das Stimmen der Zithern war er der Fachmann.
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